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Gedicht "Wann ist Frieden in Berlin?"

Material und Technik
Sammlung
Abmessungen
B: 209 mm H: 296 mm
Datierung
Inventarnummer
D-000293
Schlagworte
Friede     Gedicht    
Dieses handgeschriebene Gedicht wurde von der Tochter des Schreibers in seiner Wohnung gefunden. Ihre Eltern lebten in der Bernauer Straße, unmittelbar an der Berliner Mauer. Ihr Vater hatte Kontakt zu Grenzsoldaten, indem er Zigaretten über die Mauer warf.

Die ursprüngliche Version des Gedichts stammt aus dem Jahr 1945, der Autor ist unbekannt. In der vorliegenden Abschrift hat der Vater der Stifterin Änderungen in der dritten und vierten Strophe vorgenommen. Er stellte dabei einen Bezug zur Berliner Mauer her und übertrug die Aussage des Gedichts in die Zeit um 1970.

Transkiption:
Wenn der Funkturm wieder blinkt,
Alles Bohnenkaffee trinkt,
Wir das Trinken und das Rauchen,
Nicht mehr zu versteuern brauchen,
Wenn wir wieder uns bekleiden
Ohne Punkte abzuschneiden,
Jedes Auto tankt Benzin,
Dann ist Frieden in Berlin.

Wenn du Fleisch vom Rind und Schwein
Kartenfrei holst wieder ein,
Wenn wir Butterstullen streichen,
Ohne Angst, es könnt nicht reichen,
Wenn Du Bückling, Flunder, Hummer,
Kaufen kannst dann ohne Nummer,
Gänse nicht im Geist vorüberziehen,
Dann ist Frieden in Berlin.

Wenn Du nicht mehr beim Verschenken,
Mußt an deine Punkte denken.
Wenn der ganze Kartenkram,
Sein verdientes Ende nahm.
Wenn nachts nicht schwarz wie Kohlenkasten
Daß alle an der Wand lang tasten
Alle Lampen wieder glühn.
Dann ist wieder Frieden in Berlin.

Wenn wir über Dulles weg uns setzten über Alles.
Meckerer [?] nicht die Stimmung trüben.
Volksgenossen stets sich lieben.
Völker sich dann nicht mehr hassen.
Nachbarn sich in Ruhe lassen
Ist's mit allem wohlbestellt -
Friede auf der ganzen Welt
Karte
Rechte und Reproduktion