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Reinhard S. wuchs 1941 in Waldesruh, einer Siedlung am östlichen Stadtrand von Berlin auf. Seine Schulzeit in der DDR war geprägt von dem zunehmenden, politischen Druck sich in das sozialistische System einzufügen. Aufgrund seiner fehlenden Mitgliedschaft bei den Jungpionieren und seiner engen Verbindung zur evangelischen Kirche erhielt er nicht die Möglichkeit, eine weiterführende Schule zu besuchen. Er begann Ende der 1950er eine Lehre als Elektromonteur im VEB Kabelwerk Oberspree und wurde nur drei Monate vor seinem Abschluss, aufgrund seines Engagements in der Jungen Gemeinde, entlassen. Nachdem er seine Ausbildung in einem privaten Betrieb abgeschlossen hatte, begann er ein Studium an der staatlichen Ingenieursschule „Gauss“ in West-Berlin während er weiterhin im Ostteil der Stadt wohnte. Der Mauerbau überraschte ihn während eines Urlaubs an der Ostsee. Er erhielt für den Folgetag eine Vorladung bei der Volkspolizei Straußberg, wo ihm mitgeteilt wurde, dass er in Zukunft beim Ernteeinsatz sowie der NVA tätig werden sollte Am 15. August 1961 flüchtete er zu Fuß über eine ruhigere Seitenstraße der Friedrichstraße (Nähe Checkpoint Charlie) nach West-Berlin.

Nach seiner Flucht meldete sich Reinhard S. im Notaufnahmelager Marienfelde, kam anschließend bei Bekannten und Verwandten unter und setzte sein Studium fort. Zu dieser Zeit erhielt er einen verzweifelten Brief seiner Mutter, die um Hilfe bat, da seine Eltern ebenfalls nach West-Berlin fliehen wollten. In diesem Zuge begann er mit gefälschten Ausweisen eine Identität als Diplomat aufzubauen, um ihnen zu helfen.

Am 8. Mai 1962 gelang es Reinhard S. seine Eltern mit gefälschten Pässen nach West-Berlin zu holen. Dies war der Beginn seiner aktiven Fluchthilfe für zahlreiche Freunde und Bekannte, die aufgrund ihrer politischen Überzeugungen oder anderer Umständen die DDR verlassen wollten. Trotz der ständigen Gefahr, entdeckt zu werden, gelang es ihm, alle Fluchtaktionen erfolgreich durchzuführen. Diese Zeit war jedoch auch gesundheitlich belastend für ihn, da er unter enormem Stress und finanziellen Schwierigkeiten litt. Er arbeitete zudem als wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Berlin, heiratete und gründete eine Familie.

Nach dem Mauerfall 1989 begann S., sich stärker mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Er erfuhr durch die Einsicht in seine Stasi-Unterlagen, dass seine Schwester, die in der DDR geblieben war und zu der S. regelmäßigen Kontakt pflegte, Informationen über ihn und seine Aktivitäten an die Stasi weitergegeben hatte.

Seine Erfahrungen während der Teilung Deutschlands prägten ihn nachhaltig und führten zu einem tiefen Verständnis für die Bedeutung von Freiheit und persönlicher Verantwortung.

Zum Zeitpunkt des Interviews lebt Reinhard S. in Berlin.

[Dieser Text wurde mit Hilfe von KI generiert und redaktionell bearbeitet.]

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