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Jürgen Wagentrotz wurde 1944 in Erfurt, geboren. Als Kind einer Lehrerin und eines Bankbeamten, wuchs er in einem bildungsbürgerlichen Elternhaus auf. Trotz seiner Ausbildung zum Hotelkaufmann war er mit den begrenzten Zukunftschancen in der DDR unzufrieden, insbesondere aufgrund der fehlenden Reisefreiheit, den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der politischen Repression. Diese Umstände führten zu einem Gefühl der Perspektivlosigkeit, das durch die Fluchtwelle im Sommer 1961 verstärkt wurde. Zudem hatte bereits seine ältere Schwester im Jahr 1959 die DDR verlassen und sich ein neues Leben in Paris aufgebaut.

Im Sommer 1961, während eines Krankenhausaufenthalts, erfuhr Jürgen Wagentrotz von einem Mitpatienten, der als Kombinatsleiter eines Betonwerks tätig war, dass in Berlin derzeit ein Lieferauftrag für viele Betonteile vorliegen würde, was bei Jürgen Wagentrotz die Befürchtung hinsichtlich eines möglichen Mauerbaus stützte und ihn in seiner Entscheidung Ost-Berlin zu verlassen bestärkte. Er entschloss sich, am 28. Juli 1961 zu fliehen, ohne seine Eltern oder Freunde über den genauen Zeitpunkt zu informieren, um sie vor möglichen Repressalien zu schützen. Seine Flucht führte ihn über die S-Bahn nach West-Berlin, wo er sich im Notaufnahmelager Marienfelde meldete.

Im Notaufnahmelager Marienfelde musste er als minderjähriger Geflüchteter zunächst die Zustimmung seiner Eltern über einen Kurierdienst der Kirche einholen, um bleiben zu können. Im Anschluss lebte er einige Zeit im Jugendflüchtlingslager Berlin-Kladow, wo ihn seine Mutter kurz vor dem Mauerbau besuchte und den Plan fasste, ebenfalls nach West-Berlin zu fliehen. Das Vorhaben scheiterte durch die Abriegelung der innerstädtischen Grenze am 13. August 1961. Wagentrotz erlebte die Integration in die westdeutsche Gesellschaft als relativ unkompliziert, da er schnell neue Freunde fand und sich in seinem neuen Umfeld wohlfühlte.

Er wurde schließlich nach Hessen ausgeflogen und gelangte über die Flüchtlingslager Friedland und Gießen nach Kassel, wo er seine Lehre als Hotelkaufmann weiterführte und anschließend in verschiedenen Wirtschaftszweigen tätig war.

Bei seinen Besuchen in Ost-Berlin lernte er Mitte der 80er Jahre seine zukünftige zweite Frau kennen und versuchte sie über eine Gruppe von Fluchthelfern in den Westen zu holen. Der Plan flog auf, woraufhin sie eine Haftstrafe im Frauengefängnis Hoheneck verbüßen musste, jedoch nach ungefähr einem Jahr freigekauft wurde.

Nach der Wiedervereinigung kehrte Wagentrotz nach Erfurt zurück. Er entschloss sich, das heruntergekommene Haus seines inzwischen verstorbenen Vaters zu renovieren und begann sich stark in der Entwicklung von Wohnanlagen zu engagieren.

Hinsichtlich seiner ostdeutschen und westdeutschen Vergangenheit betont er, dass er sich nicht auf eine der beiden Identitäten beschränken möchte. Er sieht sich als kosmopolitischen Menschen, der in verschiedenen Ländern gelebt hat. Heute setzt sich Wagentrotz stark für die Erhaltung der Erinnerung an die DDR-Zeit ein.

Zum Zeitpunkt des Interviews lebt Jürgen Wagentrotz in der Schweiz.

[Dieser Text wurde mit Hilfe von KI generiert und redaktionell bearbeitet.]

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