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In diesem zweiten Interview erinnert sich Regina Paulikat, geboren 1947, an ihre Flucht aus Sachsen nach West-Berlin, die sie als 9-jähriges Kind erlebte. Die Flucht der Familie Paulikat verlief getrennt, da ihr Vater mit dem älteren Bruder frühmorgens abreiste, während die Mutter mit ihr und dem jüngeren Bruder einige Stunden später folgte. Sie war sich der Flucht nicht bewusst und dachte, sie würden Verwandte besuchen. Ihre geliebte Oma sowie eine ältere Schwester blieben zurück. Die Ankunft am Bahnhof Zoo war für sie ein Schock, als sie erfuhr, dass die Familie nicht mehr nach Hause zurückkehren würde. Die Musik von Freddy Quinn verstärkte ihre Emotionen und das Gefühl des Verlustes, da sie sich von ihrer Großmutter und ihrem Spielzeug trennen musste.

Nach der Ankunft in West-Berlin wurden sie in das Notaufnahmelager Marienfelde gebracht, wo sie in einem Sechsbettzimmer untergebracht waren. Die ersten Tage waren geprägt von der Ungewissheit und dem Zusammenleben mit einem älteren Ehepaar, was für die Familie eine Herausforderung darstellte. Regina Paulikat beschreibt die Schwierigkeiten des Lagerlebens, das von ständigen Warteschlangen und der Notwendigkeit, sich an neue Gegebenheiten anzupassen, geprägt war. Trotz der beengten Verhältnisse erlebte sie auch neue Freiheiten und Abenteuer, die ihr halfen, sich in dieser neuen Umgebung zurechtzufinden.

Die ersten Wochen im Notaufnahmelager waren für die Kinder eine Zeit des Spielens und Lernens, auch wenn es an Spielzeug mangelte. Regina Paulikat und sein älterer Bruder fanden Wege, sich zu beschäftigen. Die Eltern waren stark mit Behördengängen beschäftigt, um ihren Status als politische Flüchtlinge zu klären. Die Kinder hatten keine reguläre Schulbildung und mussten sie ständig neue Freundschaften schließen, die oft nur von kurzer Dauer waren, da viele Kinder aus dem Notaufnahmelager schnell wieder wegzogen.

Die Beziehung von Regina Paulikat zu ihrem Vater war nach dessen Gefängnisaufenthalt schwierig, da sie ihn als fremd empfand. Diese Distanz führte zu Spannungen innerhalb der Familie, insbesondere zwischen dem älteren Bruder und dem Vater, der plötzlich wieder die Autorität übernahm. Regina Paulikat beschreibt, wie die Eltern versuchten, ein normales Leben im Notaufnahmelager zu führen, während sie gleichzeitig mit den Herausforderungen der Vergangenheit und der Unsicherheit der Zukunft kämpften. Die Kinder erlebten eine Mischung aus Freiheit und Verantwortung, die sie in ihrer Entwicklung prägte.

Trotz der Schwierigkeiten und der ständigen Unsicherheit empfand Regina Paulikat das Notaufnahmelager als einen Ort der Sicherheit und Geborgenheit. Sie beschreibt, wie sie und ihre Familie sich schließlich an die Lebensumstände dort anpassten und sogar positive Erinnerungen an diese Zeit entwickelten. Die Erfahrungen im Notaufnahmelager prägten ihre Kindheit und führten zu einem tiefen Verständnis für die Herausforderungen, die Gefluchtete durchleben. Auch Jahre später bleibt die Erinnerung an den Ort lebendig, und sie empfindet eine Mischung aus Nostalgie und Traurigkeit, wenn sie an diese Zeit zurückdenkt.

Zum Zeitpunkt des Interviews lebt Regina Paulikat in Berlin.

[Dieser Text wurde mit Hilfe von KI generiert und redaktionell bearbeitet.]

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